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2  Konjugation von Verben

2.0  A L L G E M E I N

Einführung
Person, Numerus & Diathese
Die Personalendungen
Aspekt & Tempus
Modus
Übungen

  Einführung
 
 
Das griechische Verb ist zusammengesetzt aus einem Verbalstamm und mehreren Präfixen und Suffixen. Der Verbalstamm ist Träger der Grundbedeutung und bezeichnet eine Handlung oder einen Zustand. Präfixe und Suffixe ordnen der durch den Verbalstamm bezeichneten Handlung bzw. Zustand folgende Eigenschaften zu:
  Person, Numerus & Diathese
 
 

Die Eigenschaften Person, Numerus und Diathese werden dem Verbalstamm durch das Suffix der Personalendung zugeordnet.

Die Eigenschaft der Person wird - wie im Deutschen - unterschieden in 1. (ich; wir), 2. (du; ihr) und 3. Person (er/sie/es; sie).

Die Eigenschaft des Numerus wird - wie im Deutschen - zunächst unterschieden in Singular (ich; du; er/sie/es) und Plural (wir; ihr; sie). Darüber hinaus wird in einigen sehr seltenen Fällen die Verbalhandlung weder einer noch vielen, sondern genau zwei Personen zugeordnet. Die Personalendungen dieses so genannten Dual (ihr beide; die beiden) bleiben jedoch im folgenden zunächst unberücksichtigt.

Die Eigenschaft der Diathese wird unterschieden in Aktiv, Passiv und in ein so genanntes Medium. Im Allgemeinen kennzeichnet das Medium eine Verbalhandlung, die vom Subjekt ausgeht und direkt oder indirekt auf dieses zurückwirkt.
 
Aktiv Passiv direktes Medium indirektes Medium
 

ich wasche

ich werde gewaschen

ich wasche mich

ich wasche für mich
                  oder
ich wasche in meinem Interesse

 

In der Praxis liefert das Wörterbuch für mediale Formen meist spezielle Bedeutungen, die den allgemeinen Bezug der Verbalhandlung auf das Subjekt in der Übersetzung bereits berücksichtigen.

aktive Bedeutung allgemeine und zu vernachlässigende
mediale Bedeutung
 
  exakte Bedeutung der medialen
Form laut Wörterbuch

ich nehme
 

ich nehme für mich
 

ich wähle
 

ich gebe weg

ich gebe in meinem Interesse weg

ich verkaufe

 

Wie im Lateinischen sind zahlreiche Verben so genannte Deponentien. Diese erscheinen ausschließlich in medialen oder passiven Formen, haben jedoch durchweg aktive Bedeutung.

  Die Personalendungen  
 
Die Personalendungen werden unterschieden in primäre und sekundäre Endungen. Augmentierte Verbalformen - soweit das Augment nicht als Reduplikationsersatz fungiert (vgl. Augment & Reduplikation) - erhalten sekundäre, die übrigen Verbalformen primäre Endungen. Für alle Stammklassen gelten folgende Endungen:
 


primäre Endungen
(Präsens, Futur, Perfekt)
  sekundäre Endungen
(Imperfekt, Aorist, Plusquamperfekt)


Aktiv
Medium/Passiv
  Aktiv Medium/Passiv
Sg.
1.
od. -μι
-μαι
  ¹

-μην


2.
-εις od.
-σαι
 

-σο


3.
-ει od. -σι
-ται
  -ø(ν)¹

-το

Pl.
1.
-μεν
-μεθα
  -μεν

-μεθα


2.
-τε
-σθε
  -τε

-σθε


3.
(-νσι) > -σι
-νται
  ¹

-ντο

¹Die 3. Person Singular Aktiv der sekundären Endungen ist grundsätzlich durch keine Personalendung gekennzeichnet (vgl. Nullsuffix). Häufig erscheint jedoch der bewegliche Schlusskonsonant , der nicht mit den Personalendungen der 1. Person Singular bzw. der 3. Person Plural verwechselt werden sollte.

  Aspekt & Tempus
 
 

Eine eindeutige Zuordnung zu den Zeitstufen Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft zeigt eine griechische Verbalform ausschließlich im Indikativ. Die Gegenwart ist nicht eigens gekennzeichnet (vgl. Nullsuffix). Kennzeichen der Vergangenheit ist das Augment. Die Zukunft wird meist durch ein Tempuskennzeichen markiert.

Alle weiteren Verbalformen sind weder einer absoluten noch einer relativen Zeitstufe zugeordnet! Die Eigenschaft des Tempus spielt daher - anders als im Lateinischen oder Deutschen - für die Systematik der Verbalformen eine untergeordnete Rolle.
 

Im Mittelpunkt der griechischen Verbalformen steht der so genannte Aspekt einer Handlung. Der Sprecher bringt hiermit zum Ausdruck, ob er die Verbalhandlung als linear andauerndes, als punktuell unbestimmtes oder als ein im Resultat vorliegendes Ereignis verstanden wissen möchte.

Der präsentische Aspekt kennzeichnet das linear Andauernde einer Handlung und wird meist durch ein Aspektkennzeichen markiert. Der aoristische Aspekt kennzeichnet den bloßen, punktuellen Vollzug und lässt den Verlauf einer Handlung unbestimmt. Er wird gewöhnlich durch ein Aspektkennzeichen markiert. Der perfektische Aspekt kennzeichnet den Verbalinhalt als Zustand oder Ergebnis eines Geschehens und wird durch die Reduplikation oder das Augment markiert.

Der deutschen Verbalform ist die Eigenschaft des Aspekts weitestgehend fremd. Die dem griechischen Verb anhaftenden Aspektnuancen sind daher bei der Übersetzung ins Deutsche meist nur durch umständliche Umschreibungen exakt zu übertragen und werden in der Praxis vernachlässigt.

  Gegenwart
 
Vergangenheit
 
  griechisch praxistaugliche Übersetzung
 
exakte Übersetzung des Aspekts
 
griechisch praxistaugliche Übersetzung
 
exakte Übersetzung des Aspekts
 
präsentischer Aspekt

φεύγω

ich fliehe

ich befinde mich dauerhaft auf der Flucht

ἔφευγον

ich floh

ich befand mich dauerhaft auf der Flucht

aoristischer Aspekt


ἔφυγον

ich floh

ich floh (unbestimmt)

perfektischer Aspekt πέφευγα

ich bin geflohen

ich bin geflohen und als Resultat jetzt in Sicherheit

ἐπεφεύγειν

ich war geflohen

ich war geflohen und als Resultat davon in Sicherheit

  Modus
 
 

Die Verbaleigenschaft Modus wird unterschieden in Indikativ, Konjunktiv, Optativ und Imperativ. Der Indikativ ist nicht eigens gekennzeichnet (vgl. Nullsuffix). Konjunktiv und Optativ werden durch ein Moduskennzeichen markiert. Der Imperativ erhält eigene Personalendungen.

Eine griechische Verbalform kann somit aus folgenden Bestandteilen zusammengesetzt sein:

Augment + Reduplikation + Verbalstamm + Aspekt-/Tempuskennzeichen + Moduskennzeichen + Personalendung
  Übungen
 
 

 

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